In der Masturbationsfalle

Lieber Porno als echter Sex? Diese Gefahren lauern auf Männer

+
Pornokonsum im Netz hat auch seine Schattenseiten.

Die Möglichkeiten, welche das Internet der "Generation Porno" heute bietet, sind riesig. Doch die Auswirkungen auf junge Männer können verheerend sein.

Immer und überall sind pornografische Inhalte heutzutage konsumierbar - das Internet macht's möglich. Diverse Studien gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent des gesamten Internets aus pornografischem Material besteht. Was zunächst nach Spaß, frei verfügbarer erotischer Unterhaltung und unbegrenzten Möglichkeiten sexueller Befriedigung aussieht, hat für die Konsumenten jedoch auch seine Schattenseiten. Vor allem bei jungen Männern in den frühen Zwanzigern zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: Viele masturbieren lieber vor dem Bildschirm, als echten Sex zu haben.

Der Sexualpsychologe Christoph Ahlers kennt sich mit den negativen Auswirkungen häufigen Pornokonsums aus. Besonders extrem seien die Folgen, wenn schon Kinder oder Jugendliche in regelmäßigen Kontakt mit erotischen Inhalten kämen. Bisher gebe es kaum Studien über die psychosozialen Folgen. Doch Ahlers kennt die Probleme. In seiner Praxis berät er auch Klienten, "die lieber zu Pornos masturbieren, als Sex mit ihrer Freundin oder ihrem Freund zu haben". In einer Sendung des Deutschlandfunks namens "Eine Stunde Liebe" spricht der Experte über Pornosucht und die Auswirkungen der "Masturbationsfalle".

Falsche Vorstellungen von Sex durch Pornos

Durch regelmäßigen Konsum von pornografischen Inhalten verändere sich die eigen Vorstellung davon, "wie richtiger Sex sein müsse". Die verschiedenen Praktiken in Hardcore-Pornos - wie Analsex, Squirting oder Bondage - seien oftmals nicht mit den eigenen Möglichkeiten oder Vorlieben des Partners vereinbar. "Jugendliche können durch die Pornos den Eindruck gewinnen: So geht geiler Sex und so muss ich das wollen, können und bringen, um sexuell gut anzukommen," erklärt der Experte.

Pornografie ist heute in jeder nur erdenklichen Form zu haben - und zwar so gut wie kostenlos. Früher wurden die Schmuddelfilmchen noch "in den hinteren Räumen der Videotheken" ausgeliehen oder sie liefen Nachts im TV. Heute reichen bereits wenige Klicks, um die Objekte der Begierde zu erreichen. Auch die Pornostars gaukeln falsche Versprechen vor. Ahlers spricht dabei von "Überfrauen und Überbrüsten". Viele haben schon alles gesehen, bevor sie überhaupt den ersten Geschlechtsverkehr haben.

Diese Auswirkungen hat Pornokonsum auf die Psyche

Ahlers spricht von einer neuen Gefahr, welche auf die "Generation Porno" lauert. Früher war es eher so, dass Frauen weniger Lust auf Sex hätten - heute sei es oft auch andersherum. Selbstbewusste Frauen wissen heute, was sie wollen - und fordern dies auch ein. Viele Männer seien damit überfordert und besorgen es sich lieber selbst. Der Experte berichtet von Betroffenen, die ihm erzählten: "Das ist geiler als das, was ich real erleben kann. Der Bildschirm will nichts von mir." Beim Pornokonsum gehe es schließlich nicht um zwischenmenschlichen Geschlechtsverkehr, man müsse keine Wünsche befriedigen, außer die eigenen.

Der Experte, der auch ein Buch namens "Himmel auf Erden und Hölle im Kopf - was Sexualität für uns bedeutet" geschrieben hat, weiß aus Erfahrung, dass hauptsächlich junge Männer unter Pornosucht leiden. "Kompliziert daran ist, dass Männer durch Sex Nähe herstellen und Frauen Nähe brauchen, um Sex haben zu können." Befinden sich die Betroffenen erst in der "Masturbationsfalle", sei es schwierig, dieser zu entkommen. Ahlers beschreibt sogar ein ähnliches Suchtverhalten wie bei Alkoholikern.

Passend zum Thema: So werden User auf Pornoseiten ausspioniert.

Die ungeschminkte Wahrheit: Erotik-Stars ohne Make Up

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare